Ich gebe zu, dass ich mich nicht genügend informiert hatte. Ich wusste zwar, dass ich immer Gassi gehen muss, aber dass ich ständig gestalkt, angeglotzt (wenn auch liebevoll) und unfreiwillig hinterhergezogen oder einen Schneeengel mache, war mir nicht klar. Ganz abgesehen von den unzähligen blöden Kommentaren anderer Leute und Hundebesitzer. Ich bin persönlich sooo gewachsen, dass ich locker darauf verzichten hätte können.
Klar, persönliches Wachstum wird ja heutzutage zu hochgelobt. Aber ich war zufrieden mit mir und meinem Leben. Seit Bruno allerdings darf ich mich ständig mit dem Thema „Grenzen“ auseinandersetzen. Selbst wenn ich nur mal um den Block spaziere, tönt es schon von weitem: „Naaaa, wer führt denn hier wen???“. Das war eine ältere Frau mit ihrem treudoofen Mann an der Seite, der ich leider in diesem Moment nicht gleiche Frage gestellt habe. Ich war einfach nur baff. Wie kann man so übergriffig dreist sein und andere Spaziergänger ungefragt angreifen? Ich gebe zu, dass ich sehr empfindlich auf solche Leute reagiere, aber finde das auch völlig gerechtfertigt.
Solltest du also überlegen, einen Hund zu kaufen oder aus dem Tierheim zu retten, dann ist die Erstausstattung meiner Meinung nach noch das geringste Problem. Höchstwahrscheinlich wird dein Hund irgendetwas nicht machen, das unsere Gesellschaft erwartet.
Ich finde es schlimmer als mit Kindern, denn auch bei deren Verhalten in der Öffentlichkeit habe ich genügend Kommentare bekommen. Nur…sie hören zu und du kannst erklären. Bruno? Hat zwar zwei Ohren, aber wenn ein Vogel vorbeifliegt, oder ein Reh den Weg kreuzt, ganz zu schweigen von einer Katze, heißt es: Attacke!! Frauchen? Abgeschrieben. Meine Stimme und das entsprechende Zurückhalten an der Leine scheinen in seinem Film nur noch säuselndes Randgeschehen zu sein.
Bruno ist ja tatsächlich noch die harmlose Sorte Hund. Goldendoodle sind von Natur aus friedlich und unkompliziert. Eigentlich hab ich mich wegen der Tierhaarallergie dafür entschieden, aber seine Freundlichkeit ist ein sehr angenehmer Nebeneffekt. Er ist ja auch 65cm hoch und somit kein kleiner, verzogener „Wadenbeißer“. Das mag hart klingen, aber ich habe bisher nicht viele Hundebesitzer kleiner Rassen getroffen, die sich auch nur annähernd so viel Mühe mit der Erziehung geben wie wir. Muss ja auch nicht sein, denn der kleine Raffer kann an der Leine hin- und hergezogen oder schnell mal auf den Arm genommen werden. Würde ich genauso machen.
So oft hab ich mir Bruno schon eine Nummer kleiner gewünscht. Ein Hund zieht das Vierfache seines Körpergewichtes. Wusstest du das? Ich auch nicht. Bruno wiegt eigentlich nur 25kg. Es gibt durchaus schwerere und kräftigere Sorten. Aber für mich hat es gereicht, im Winter bei Schnee und Eis zu Boden zu gehen. Er zieht vorne. Ich hinten. Ich rufe. Er zieht mehr. Ich falle in den Schnee. Er springt vor Freude auf mich drauf. Ich krieg die Krise.
Uuuunnd? Überlegst du jetzt, ob es die richtige Entscheidung ist? Ich sag dir mal aus meiner ganz persönlichen Sicht meine Vor- und Nachteile. Zum heutigen Zeitpunkt bin ich ehrlich froh, dass wir das erste Jahr hinter uns haben. Ich würde ihn nie im Leben hergeben. Aber bin mir nicht sicher, ob ich das nochmal machen würde. Bruno ist tatsächlich ein sehr leiser, friedlicher und freundlicher Artgenosse, worüber sich auch meine Tierärztin wundert. „So etwas ist sehr selten. Seien Sie froh.“ Gibt dir zu denken? Zu Recht 😉
Also erstmal die Vorteile, einen Hund aufzunehmen:

