Es mag banal klingen, aber ist eine Wissenschaft für sich. Du denkst dir: „Gut, jetzt haben wir uns für einen Hund entschieden, dann werde ich schnell eine Leine kaufen.“ Pustekuchen! Diese „eine normale Leine“ gibt es nicht. Es gibt eine ganze Leinen-Welt. Lange, kurze, sogenannte Schleppleinen (den Begriff hatte ich vorher nie gehört), Zugleinen oder so was in der Art.
Natürlich gibt es weder richtig noch falsch und wenn es dir ähnlich geht, wird dein erster Kauf nicht der letzte bleiben. Wenn du wissen willst, welche ich mag, dann hab ich dir unter diesem Artikel ein paar verlinkt, die zu Amazon führen, weil ich da im Affiliateprogramm bin. Ja, ich weiß, das ist mittelschön, aber ein erster Schritt in meine Selbstständigkeit, die du mit dem Kauf unterstützen würdest.
Amazon war tatsächlich meine zweite Wahl, weil ich mit Bruno als Welpe in den Laden vor Ort gegangen bin, um zu fühlen und zu sehen, was es so gibt. Leider war das auch nicht viel besser, denn die Verkäuferin war nicht besonders engagiert und ich war komplett ratlos.
Deshalb schreibe ich diesen Blog und vor allem solche Artikel. Ich möchte, dass du weniger überfordert bist als ich es am Anfang war. Ich hatte mir das Leben mit Hund und Welpe so viel einfacher und harmonischer vorgestellt.
Bruno kam zu uns als er 9 Wochen alt war. Wir sind drei Stunden gefahren, um ihn abzuholen. Er wurde auf einem Reiterhof geboren und dachte bis dahin, dass sein Leben aus Pferden, Kühen, viel Auslauf und großen Strohballen bestand. Ich hätte wissen müssen, wie prägend das ist, denn er ist bis heute am liebsten draußen im Garten und bewacht unseren Hof. Untypisch für einen Doodle, denn er ist kaum ins Haus zu bekommen und selbst bei minus 10 Grad am liebsten draußen. Aber dazu mehr in einem anderen Artikel, wenn ich dir sage, worauf du beim Kauf achten solltest. Ich hoffe inständig, dass nicht alle so naiv vorgehen wie ich. Ich dachte: Rasse klar, Hund besorgen. Haha! Naja..egal…
Also zurück zu den Leinen: Wir bekamen ihn mit einem süßen grünen Geschirr, worauf ein Weihnachtsmotiv war (er ist im November geboren) und eine entsprechend schöner grüner Leine. Die war relativ kurz und nach gefühlt ein paar Tagen war er rausgewachsen. Welpen wachsen sooo schnell! Und Bruno wurde sooo groß! Ich hab ja seine Mama gestreichelt, die so liebevoll und entspannt wie er war und dachte noch: „ziemlich groß, aber die Welpen sind so klein…wird schon“. Ich wollte unbedingt einen haben, eher mittelgroß, und wenn ich was will, dann kann ich gut ausblenden, was man eigentlich beachten sollte. Geht’s dir auch so? Du siehst es, willst es haben, ignorierst die Fakten und schwups…hättest du doch zweimal nachgedacht!
Er wurde größer und zog an der Leine wie ein Schlittenhund! Um ihm genug Auslauf zu ermöglichen hieß es, dass wir eine Schleppleine brauchen. Wir waren ab der ersten Woche in einer Welpengruppe mit einer sehr netten Trainerin, bei der es ähnlich wie mit der Leine war, denn ich dachte ‚Trainer ist Trainer‘ und ‚Leine ist Leine‘, was soll schon sein?! Nope. Weit gefehlt.
Unsere Trainerin kam aus der Hundetrainer-Richtung der Party liebenden Animateure: „Bruuuuunoooo, hiiiieeeer! Jaaaa, feeeeeiiinnn!!“ klang es in meinen empfindlichen Ohren in viel zu hohen Tönen. „Immer schön Party machen!“ sagte sie. Ich: „Wie lange denn?“ Sie: „Mindestens ein Jahr.“ Whaaattt??? „Und dazu immer viele Leckerlis!“ Echt jetzt? Ich soll als Futtermaschine jodelnd Gassi gehen, damit der Hund folgt? Das bin ich doch gar nicht!
Egal, so haben wir geübt…an der langen Schleppleine, die wahrscheinlich so heißt, weil sie immer hinterhergezogen wird. Ich hatte mich für das Modell mit 10m Länge entschieden (es geht noch viel länger), aber man muss ja aufpassen, wo und wie sich das verhaspelt.
Ehrlich? Das waren nur die ersten Wochen. Schleppleinen und ich sind keine Freunde geworden. Sie sind immer dreckig, bekommen Knoten und der Hund zieht mit zigfacher Kraft daran. Aus meiner Sicht bringt das gar nichts.
Oder warte mal…doch! Ich hatte sie doch gerade im Urlaub an der Ostsee mit. Ich hab Bruno im Garten daran angebunden, so dass er einen größeren Radius hatte. Das war ganz cool, denn entgegen meinen Erwartungen an eine haustierfreundlichen Unterkunft, durfte das Fellkind nicht frei im Garten rumlaufen. Ich hab das so halb eingehalten, mit einem wachen Auge und dem Wissen, dass er nach drei Tagen das Grundstück abgespeichert hat. Dafür war die Schleppleine nicht nur gut, sondern unsere Rettung.
Und zum Rückruf-Training nimmt sie auch der Papa. Also meine bessere Hälfte. Unsere jetztige Trainerin (die erste und einzige, die ich mag – schreib mich gerne an, wenn du im Raum Lüneburg suchst) hat gesagt, dass man den Rückruf irgendwann mit der Schleppleine vor der Haustür übt, damit er auf bekanntem Terrain nicht abhaut.
Soviel zur weitverbreiteten Schleppleine, die aus meiner Sicht, doch sehr viele Hundebesitzer so lieben. Warum? Ich denke, dass sie ihren Vierbeiner nicht im Griff haben. Leinenführigkeit ist ein sehr stressiges Thema und irgendwann gibt man halt auf und besorgt sich einen lange Leine. 😉
Für mich gilt inzwischen – nach leidlicher Erfahrung – je kürzer, desto besser.
Wichtig: Es muss möglich sein, ihn schnell mal kurz zu halten und nicht ewig ranzuholen, wenn ein anderer Hund oder irgendwas Spannendes in Sicht ist. Je größer dein Hund, desto wichtiger ist das Ganze. Allerdings finde ich die Größe egal, denn aus meiner Sicht ist der Umgang mit kleinen Hunden, die einfach so an der Leine hängen, wenn sie kommen sollen, sehr grenzwertig. Willst du denn so hinterhergeschliffen werden?
Bruno kann ich nicht hinterherschleifen. Er ist inzwischen 65cm groß, wiegt 25kg und zieht laut Tierärztin das Vierfache. Kein Kommentar.
Nach einigem Ausprobieren hab ich eine Leine genommen, die nicht in meine Hand schneidet und wehtut, wenn er zieht. Sie ist ein bisschen gepolstert und hat zwei Karabiner, die man an unterschiedlichen Stellen festmachen kann. So kann ich größere und kleiner Schlaufen machen. Und sie hat eine schöne blaue Farbe. Eigentlich wollte ich eine rote, denn rot steht Bruno extrem gut, aber das gab es nicht.
Es gibt ja auch seeeehhr schöne handgemachte Modelle oder tolle Läden von privaten Leuten, die sich darauf spezialisiert haben. Aber Bruno hat uns schon so viel Geld gekostet, dass ich da eher pragmatisch bin. Wie gesagt, Amazon tut’s auch.
Was so gar nicht geht, sind diese Leinen, wo man auf den Knopf drückt und der Hund gestoppt wird. Sehe ich ständig, selbst bei meiner guten Bekannten, die darauf schwört. Aber die Trainerin sagt, dass der Hund so nie weiß, wie weit er laufen darf oder nicht. Ich denke, dass das gerade bei kleinen Hunden ganz beliebt ist, aber unser Riesenvieh würde sowieso einen komischen Ruck an der Leine auslösen, wenn ich auf den Knopf drücke, dass ich diese Art der Überraschungen vermeide.
Überhaupt musst du dich wappnen: man bekommt beim Spazierengehen so viele Kommentare, auch zur Art der Leine, dass du dich von DEINER Wahl nicht abbringen lassen solltest. Es ist ein wenig wie mit der Ausstattung der Kinder: alles in blau, rosa oder neutral? Erziehung der Kids eher an der „langen oder kurzen Leine“? Mein Vater hat immer gesagt, dass wir Kinder an der langen Leine waren. Ist doch komisch, oder?! Ich fand es richtig cool, denn innerhalb eines bestimmten Rahmens durfte ich eine ganze Menge selbst entscheiden, tun und lassen.
Nun gut, das war viel Text und eigentlich mehr als ich schreiben wollte. Ich wollte dir die ganzen Leinenmöglichkeiten erklären, aber nun ist es mehr eine Geschichte geworden. Danke, dass du bis hierher gelesen hast.
Wie gesagt: die Leine muss zu dir passen. Ich würde sie nicht zu lang kaufen, denn dann zieht dein Hund mit viel mehr Kraft am anderen Ende. Das muss man einfach wissen. Ich habe ihn besser im Griff, wenn sie kürzer ist bzw. sich kürzer stellen lässt. Sie sollte aus gutem, weichen Material sein, damit dir die Hände nicht wehtun. Irgendwann ist dein bester Freund wahrscheinlich „leinenführig“, dann ist das egal. Aber solange er hinter Rehen, Hasen, Vögeln etc. hinterher jagt, willst du ihn nicht 10m weit weg vor dir laufen sehen.
Und falls du auch in Niedersachsen oder einem anderen Bundesland lebst, wo man einen Hundeführerschein mit praktischer Prüfung machen muss, dann empfehle ich dir von ganzem Herzen eine Leine, die dich bei der Prüfung nicht noch extra stresst. Mehr zu meinen Erfahrungen mit dem Hundeführerschein und was du wissen solltest, liest du in diesem Artikel.
Also viel Spaß beim Gassi gehen und Welt entdecken,
deine Ute
Schau doch mal in diese Liste, ob dir eine Leine besonders gefällt. Wenn du über den Link kaufst, erhalte ich eine Mini-Provision, der Preis für dich bleibt gleich, aber du unterstützt meine Arbeit, worfür ich dir danke!
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