Es ist 8.30 Uhr morgens und wir haben Ferien. Osterferien um genauer zu sein und nach einer Woche hat sich wie immer ein gemütlich verschobener Anti-Schul-Rhythmus eingestellt. Sprich: lange aufbleiben und spät aufwachen. Vor eineinhalb Jahren war das alles noch stressfrei möglich, aber jetzt? Haben wir Bruno…und der kennt keine Ferien.
Ich weiß nicht, warum ein Tier ohne Zeitbewusstsein weiß, wie spät es ist, aber immer pünktlich zwischen 8.30 und 9.30 Uhr fängt er an zu drängeln. Leider auf eine sehr liebevolle und herzerweichende Art, so dass wir unseren Kaffee im Schlafanzug unterbrechen, duschen gehen und sich zumindest einer von uns opfert, die Gassirunde zu gehen. Im Sommer ja kein Problem…im Winter hoffe ich einfach, dass die bessere Hälfte den Morgen übernimmt. Obwohl ich fairerweise sagen muss, dass er fast immer morgens geht.
Nur heute? Haben wir nachts Besuch von unserer Tochter bekommen und dementsprechend schlechter geschlafen. Ich habe mir meinen Lieblingscappuccino gemacht (soll ich mal die Bohnen verlinken?! 😉 ) und sitze am Computer, weil mich das Schreiben entspannt und morgens meine produktivste Zeit ist.
Die bessere Hälfte? Hat sich auch einen Kaffee gemacht und…ist wieder ins Bett verschwunden. Bruno? Äh…sorry, mein Schatz, heute bleiben wir mal drinne, haha! Bist du vielleicht auch Hundebesitzer? Dann weißt du, dass das einfach nicht möglich ist. Ich sag nur Pipi-Kacki-muss raus. Hunde sind extrem stubenrein und „verschmutzen“ nicht ihr Territorium, wozu leider auch der Garten zählt.
Also muss sich irgendwer opfern, mit dem Hund VOR den Zaun zu gehen, damit er sich in Hundetrainer-Sprache „lösen“ kann. Vor ein paar Wochen hatte ich im tiefsten Winter an einem Sonntag morgen so gar keine Lust, meine gemütliche Routine zu unterbrechen und dachte: gehst du mal schnell. Ich dachte, es wäre eine super Idee, über meinen Schlafanzug einfach meine Winterjacke zu ziehen, Stiefel an und los.
Ich war saumüde und wollte das einfach nur erledigt haben. Ich konnte ihn zu diesem Zeitpunkt auch nicht einfach im Garten rumlaufen lassen, weil er bestimmte Hunde lautstark vertrieben hat. Also keine gute Idee, sonntags um 8 Uhr den Hund im Garten bellen zu lassen. Bruno ist ja kein kleiner Fiffi und ich fände es blöd, vom Nachbarshund geweckt zu werden.
Also die Geschichte endete leider nur in Frust und Ärger, denn ich bin nichtsahnend los und habe mindestens fünf Leute getroffen, die ich nur angemurmelt habe und eine komische Begegnung mit einer Bekannten vom Sport, die sich unbedingt mit unseren Hunden treffen wollte. Seitdem allerdings nicht mehr, denn ich sah sie und ihren Hund, hab Gas gegeben, Bruno vorweggezogen und wollte einfach nur nach Hause. Bruno hat einen auf Esel gemacht und ist stehengeblieben. Sie: „Was hast du denn?“ Ich: „Ich mag keine Hundebegegnung.“ (was wahr ist, denn er hat viele schlechte Erfahrungen gesammelt. Heißer Tipp: Triff dich erst auf einen neutralen „Sozialspaziergang“ und dann auf dem Territorium des anderen.
Ich bin also weiter und sie hat verständlicherweise nicht verstanden, warum ich so komisch drauf bin. Aber ich war noch im Schlafanzug!! An dieser Stelle die Frage in die Runde der Hundebesitzer: wer kennt’s?? Ich wette um 100 Euro, dass ich nicht alleine bin. Hoffentlich…
Nun gut, der Hund hat irgendwoher eine innere Uhr und die solltest du nicht trainieren, indem du strickt nach Plan agierst. Zeig ihm, dass du ihn lieb hast, aber noch nicht Zeit für die Gassirunde ist. Du kannst locker ein Zeitfenster von 2 Stunden flexibel ausbauen. Ja, das sag nicht nur ich aus eigener Erfahrung, sondern auch die Trainerin aus dem Martin-Rütter-Team bei uns vor Ort. Sie führt ihre Hunde zwischen 9 und 11 Uhr morgens aus. Also nix mit 6 Uhr Gassigehen-Müssen.
Am Anfang dachte ich ja auch, dass alle um 6 Uhr früh die Runde machen, aber unser Bruno schläft tief und fest mindestens bis 7.30 Uhr. Irgendwie passt sich so ein Fellfreund doch immer an seine Familie an und ist extrem felxibel.
Nun drängelt er aber berechtigt und ich werde mit ihm die wohlverdiente Gassirunde bei Vogelgezwitscher und Sonnenschein machen. Heute wird ein guter Tag 🙂
Alles Liebe,
deine Ute

